Freiraumgestaltung: Tradition trifft auf die Anforderungen der Zukunft
Naturstein zwischen Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit und Langlebigkeit
Öffentliche Freiräume prägen das Gesicht von Städten und Gemeinden. Naturstein verbindet dabei lokale Identität und gewachsenen Bestand mit heutigen Anforderungen an Nutzung, Barrierefreiheit und Langlebigkeit.
Städte und Gemeinden stehen angesichts der klimatischen Veränderungen vor der Aufgabe, öffentliche Räume neu zu denken. Bekannte Stichworte sind hier „Cooling Cities“ und Schwammstadt. Plätze, Fußgängerzonen und Dorfzentren sollen trotz zunehmender Hitze attraktive Aufenthaltsorte bleiben, Begrünung integrieren, Oberflächenwasser speichern statt ableiten und zugleich die vielfältigen Anforderungen unterschiedlicher Nutzergruppen erfüllen. Dazu zählen nicht nur Möglichkeiten zum konsumzwangfreien Aufenthalt, sondern auch eine sichere Befahrbarkeit für Lieferfahrzeuge sowie eine barrierefreie Begehbarkeit.
Materialität schafft Identität
Eine besondere Qualität gewinnt Naturstein durch den Bezug zum Ort. Regionale Natursteine bedeuten dabei mehr als kurze Transportwege, denn sie knüpfen unmittelbar an die Landschaft, Geologie und bewährte Bautradition an und verleihen einem Ort eine unverwechselbare Materialität. Buntsandstein aus dem Pfälzer Wald, Kalkstein und Muschelkalk aus dem Juragebiet, aber auch die Granite aus dem Fichtelgebirge und dem Bayerischen Wald stehen jeweils in engem Zusammenhang mit dem Erscheinungsbild ihrer Regionen. Für Planer wird die Materialwahl damit zu einem Mittel, lokale Identität zu betonen und fortzuführen, indem Farben, Strukturen und Oberflächen der Steine Vertrautes aufnehmen und neue Freiräume in das bestehende Ortsbild einbinden.
Vom Sitzquader bis zum Bodenbelag
Für die Gestaltung von Freiräumen steht eine große Produktpalette zur Verfügung. Neben Sitzmobiliar gehören Mauerwerk, Bodenbeläge und Treppenstufen zu den wichtigsten Anwendungen, ergänzt durch Brunnen, Skulpturen und individuell gefertigte Elemente. Besonders beim Stadtmobiliar ist die Bandbreite groß: Naturbelassene Quader sind ebenso möglich wie individuell geformte Elemente mit gesägten oder gefrästen Oberflächen und zusätzlichen Holzauflagen. Massive Natursteine können zudem funktionale Aufgaben übernehmen, etwa als Anfahrbarrieren anstelle von Betonblöcken.
Umgesetzte Freiraumprojekte mit Naturstein:
Barrierefreie Umgestaltung in Ulm
Neben Regionalität und Gestaltungsvielfalt ist die lange Nutzungsdauer ein wesentliches Argument für Naturstein im öffentlichen Raum. Richtig ausgewählt und verarbeitet, kann das Material über Generationen genutzt, aufbereitet und an neue Nutzungsbedürfnisse angepasst werden, wie ein Projekt im Fischerviertel in der Ulmer Altstadt, umgesetzt durch KSV Biberach, verdeutlicht: Bereits 2023 erprobte die Stadt Ulm, wie sich vorhandenes Großpflaster so bearbeiten lässt, dass ebene, gut berollbare Wege und Komfortstreifen realisiert werden können, ohne den charakteristischen Natursteinbelag zu ersetzen: Mittels Kronschnitt wird die unregelmäßige Oberseite der zuvor ausgebauten Pflastersteine abgesägt und anschließend geflammt. Das vertraute Erscheinungsbild der Pflasterung bleibt auf diese Weise erhalten, zugleich erfüllt der aufgearbeitete Belag heutige Anforderungen an Ebenheit, Rutschfestigkeit und Barrierefreiheit. Die neu verfugte Fläche ist für den Einsatz von Kehrsaugmaschinen freigegeben.
Mauerpark in Berlin
Der Mauerpark ist eine Parkanlage in Berlin-Prenzlauer Berg. Anfang der 1990er-Jahre entstand auf Teilen des ehemaligen Todesstreifens der Berliner Mauer eine erste Grünanlage nach Entwürfen des Landschaftsarchitekten Gustav Lange. Prägender Leitgedanke des Entwurfs ist eine Synthese aus Gedenken an die Grenzanlagen und einem stark frequentierten, lebendigen Stadtraum für Freizeit, Kultur und Erholung. Im Sommer 2020 wurde die Erweiterung des Mauerparks nach Plänen von Prof. Gustav Lange – umgesetzt durch BBS Landscape Engineering und unter der Bauherrschaft von GrünBerlin – eröffnet und die Fläche des Parks dadurch verdoppelt. Im Zuge der Neugestaltung kamen zahlreiche Massivelemente aus „Felsmark Granit“ von Stonepark zum Einsatz. Ergänzt wurden sie durch historische Pflastersteine, deren Oberflächen im ModernAntik-Verfahren bearbeitet wurden. Zu den vielfältigen Einrichtungen des über 14 Hektar großen Parks gehören unter anderem ein Amphitheater und die Jugendfarm Moritzhof. Im nördlichen Teil des Mauerparks, beim Parkeingang Lortzingstraße, steht ein mit roh behauenen Granitblöcken eingefasstes Rondell mit einem großen Steintisch im Zentrum, der als gemeinschaftlich nutzbarer Treffpunkt zum Essen, Spielen und Arbeiten gleichermaßen genutzt werden kann. Die aus einem massiven Rohblock gefertigte Tischplatte wiegt mehr als drei Tonnen. Durch die naturgegebenen Eigenschaften von Granit ist der Tisch wartungsarm, langlebig und witterungsbeständig.
Freie Waldorfschule Stuttgart
Für die Umgestaltung des Schulhofs der Freien Waldorfschule Stuttgart lieferte Schanz Natursteine 215 Laufmeter hochwertige Sitz- und Einfassungselemente aus gesägtem und sandgestrahltem Muschelkalk. Jedes Werkstück ist aufgrund seiner individuellen und präzisen Formgebung und Abmessung ein echtes Unikat. Das Projekt zeigt, wie zeitlose Ästhetik, handwerkliche Präzision und die natürliche Schönheit von Naturstein harmonisch miteinander verschmelzen.
Für Planung und Ausführung von Naturstein im Außenraum bietet der Deutsche Naturwerkstein-Verband e.V. praxisbezogene technische Informationen. Die BTI 1.3 behandelt Massivstufen und Treppenbeläge im Außenbereich, die BTI 1.4 Bodenbeläge auf Terrassen, Gehwegen, Straßen und Plätzen. Ergänzend gibt die Richtlinie „Pflaster- und Plattendecken“ Hinweise zur fachgerechten Planung und Ausführung. Die Publikationen enthalten Anforderungen, Systemskizzen, Berechnungs- und Ausschreibungshilfen sowie Hinweise auf relevante Normen und Richtlinien.