Naturstein vereint Funktionalität und attraktive Erscheinung

Welche Steinart eignet sich für welche Anwendung

Die Wahl der passenden Natursteinsorte hängt nicht nur von der gewünschten Optik ab. Ebenso wichtig sind die technischen Eigenschaften der jeweiligen Gesteinsart.

Die Kombination aus natürlicher Anmutung und hervorragenden technischen Eigenschaften macht Naturstein so einzigartig. Aussehen, Farbe und Textur, aber auch die Druckfestigkeit, Wasseraufnahme und Witterungsbeständigkeit werden durch die Petrogenese – die Entstehungsgeschichte – geprägt. Anhand dieser werden sämtliche Gesteinsarten in drei Hauptgruppen unterteilt: Tiefengesteine (Plutonite), Ablagerungsgesteine (Sedimente) und Umwandlungsgesteine (metamorphe Gesteine). Während Granit tief in der Erdkruste durch die langsame Abkühlung von Magma entstand, sind Kalksteine, Muschelkalke, Sandsteine, Schiefer und Travertine das Ergebnis langandauernder Ablagerungsprozesse. Umwandlungsgesteine wie Marmor oder Quarzit sind das Ergebnis geologischer Prozesse, bei denen Tiefen- oder Ablagerungsgesteine erneut durch Druck und Hitze umgewandelt wurden. Neben diesen Hauptgruppen gibt es eine Vielzahl von Natursteinen, die petrografisch betrachtet zwischen zwei Gruppen einzuordnen sind. Für den Einsatz am Bau sind neben dem Erscheinungsbild vor allem Kennwerte wie Druck- und Abriebfestigkeit, Wasseraufnahme, Frostbeständigkeit und Bearbeitbarkeit entscheidend. Wie bei allen natürlichen Werkstoffen bewegen sich diese Werte in einer gewissen Bandbreite. Qualitätskontrollen während der Produktion und unabhängige Prüfungen stellen sicher, dass die für ein Bauvorhaben definierten Anforderungen zuverlässig eingehalten werden.

Plutonite: robust mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten

Das bekannteste Tiefengestein – Granit – besteht zu großen Teilen aus Quarz, Feldspat und Glimmer. Diese Minerale bilden ein dichtes, eng verzahntes Gefüge mit nur geringem Porenraum. Besonders der hohe Quarzanteil verleiht dem Gestein seine Widerstandsfähigkeit.

Die meisten deutschen Granite entstanden vor rund 300 Millionen Jahren. Ihr Farbspektrum reicht von Grau und Weiß über Gelb bis hin zu bläulichen Tönen. Ob poliert, geschliffen oder beflammt – Granit lässt sich auf vielfältige Weise bearbeiten und findet sowohl im Innen- als auch im Außenbereich Verwendung. Gerade dort, wo Oberflächen dauerhaft beansprucht werden, spielt das harte Gestein seine Stärken aus.

Sedimente: von Fossilien und feinen Strukturen geprägt

Ablagerungsgesteine wie Kalkstein und Dolomit entstanden durch biologische und chemische Prozesse in Gewässern. Fossilien im Gestein erzählen bis heute von ihrer Entstehung und verleihen vielen Vorkommen ihren charakteristischen Ausdruck.

Gelbliche, graubraune, rote und weiße Tönungen sind bei Karbonatgesteinen besonders verbreitet – viele sind sehr dicht und polierfähig. Geschliffene oder polierte Oberflächen bringen die natürliche Zeichnung besonders gut zur Geltung, Auch wenn ein Sediment wie Sandstein aufgrund seines natürlichen Gefüges nicht polierfähig ist, bietet er vielfältige Möglichkeiten für handwerkliche und maschinelle Oberflächenbearbeitungen.

Metamorphite: bewährte Mischung in neuem Gewand

Umwandlungsprozesse in der Erdkruste, wie tektonische Verschiebungen, die erneute Nähe zu Magma-Blasen oder andere gesteinsbildende Vorgänge, führen unter anderem zu Änderungen in der Zusammensetzung und dem Gefüge der Mineralien. So wird beispielsweise Kalkstein zu Marmor und Sandstein zu Quarzit umgewandelt.

 

Klimafreundliche Natursteinfassade für Stadt-Sparkasse Solingen

Wie sich technische Anforderungen und gestalterische Qualität verbinden lassen, zeigt der Neubau der Hauptstelle der Stadt-Sparkasse Solingen. Das 2025 fertiggestellte Gebäude von Auer Weber Architekten greift die gestaffelten Höhen der teils denkmalgeschützten, drei- bis fünfgeschossigen Umgebung am Neumarkt auf und setzt mit einem Kopfbau einen städtebaulichen Akzent für die Weiterentwicklung der Solinger Innenstadt. Das Ensemble vereint Wohnen, Kultur und Dienstleistungen unter einem Dach. Die bewusste Verwendung von Naturstein bindet es harmonisch in den Stadtkern ein.

Mehr als 5.000 Quadratmeter Trosselfels Kalkstein wurden dafür als hochwärmegedämmte vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) verbaut. Mit ihrem freundlichen, hellen Beige verleiht die Kalksteinfassade dem fünfgeschossigen Baukörper eine ruhige, einheitliche Wirkung, während unterschiedlich ausgebildete Pfeiler, Laibungen und Fassadentiefen für Struktur sorgen. Die feinporigen Platten sind mit Korn C60 geschliffen und elastisch verfugt und besandet. Für die besonders beanspruchten Zonen Im Sockelbereich bietet jetgestrahlter Waldstein Granit Gelb Schutz gegen mechanische Beanspruchungen und Verschmutzungen.

Neben der Gestaltung spielte die Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Dank der ausgezeichneten Dämmwirkung einer VHF-Konstruktion trägt die Außenbekleidung aus Naturstein maßgeblich zur positiven Klimabilanz des Projekts bei. Ziel war, die Betriebskosten um rund die Hälfte gegenüber dem vorherigen Gebäude zu senken. Trotz anspruchsvoller Fassadengeometrien und begrenzter Rohbauflächen konnte die Natursteinfassade technisch präzise umgesetzt werden. Besondere Abstimmung erforderte die Koordination der Unterkante der Natursteinverkleidung, Fensterelemente und innenliegenden Entwässerung.

Das Projekt zeigt, wie Naturstein Dauerhaftigkeit, technische Leistungsfähigkeit und eine zeitlose Gestaltung miteinander verbindet.

 

Naturstein im öffentlichen Raum: Billerbecker Innenstadt

Das Büro Lohaus und Carl wurde von der Stadt Billerbeck beauftragt, ein räumlich-gestalterisches Leitbild für die Innenstadt zu erarbeiten. Das daraus abgeleitete städtebauliche Entwicklungskonzept sieht vor, den historischen Bereich der Innenstadt als einen qualitätsvollen, als Einheit ablesbaren öffentlichen Raum zu entwickeln, um einerseits den historischen Gesamtcharakter zu stärken, die Innenstadt im Gesamtkontext der Stadt hervorzuheben, wichtige Vernetzungen wie zum Bahnhof oder in die Landschaft zu betonen, aber auch um die Orientierung sowohl für Touristen, die sich erstmalig in der Stadt aufhalten, als auch besonders für Menschen mit sensorischen oder kognitiven Einschränkungen zu verbessern. Im Zuge der Neugestaltung der Billerbecker Innenstadt kamen für die finale Auswahl der Gesteine unterschiedliche Faktoren zum Tragen. Mit Felsmark Grauwacke lieferte Stonepark ein sedimentäres Hartgestein mit hoher Widerstandsfähigkeit und Frostbeständigkeit.

Aufgrund der Planung für spezielle Bereiche und Randstreifen wurde ein heller Kontrast zur dunklen Grauwacke angedacht. Man entschied man sich für den hellbeigen Heimatfels Dolomit. Dieses anspruchsvolle und attraktive Natursteinmaterial ist als bewährtes, langlebiges Material für den Wegebau geeignet. Ergänzt wurde das Ensemble durch aufgearbeitetes Altmaterial im ModernAntik-Verfahren.

Das Ergebnis ist ein stimmiges, langlebiges Stadtbild, das dem täglichen Fuß- und Fahrzeugverkehr problemlos standhält und dabei eine natürliche Wärme und Authentizität ausstrahlt, die kein Kunststein erreicht.