Ökologische Rolle von Natursteinabbau
Umwelteinwirkung: Bestnoten für Naturstein
Am parlamentarischen Abend des Deutschen Naturwerkstein-Verbands (DNV) rückte das Potenzial von Naturstein für eine zukunftsfähige Bauweise in den Fokus. Unter dem Titel «Tradition und Innovation: Naturstein, der Baustoff für nachhaltige und kreislauffähige Baukonzepte» diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien zentrale Fragen der Bauwende. Auch unsere Mitglieder setzen sich tagtäglich mit der Umwelteinwirkung von Naturstein auseinander. Im nachfolgenden Interview erfahren Sie von Markus Holder (KSV), welche Rolle Naturstein aus seiner Sicht bei der Bauwende spielt.
INTERVIEW MIT MARKUS HOLDER (KSV Natursteinwelt)
Herr Holder, Steinbrüche werden in der Öffentlichkeit oft kritisch gesehen. Gleichzeitig entstehen dort wertvolle Lebensräume für Flora und Fauna. Wie beurteilen Sie die ökologische Rolle von Natursteinabbau in einer Welt, in der die Biodiversität abnimmt?
Der Eingriff in die Landschaft durch einen Steinbruch ist zunächst sichtbar und wird deshalb oft kritisch wahrgenommen. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch bewusst machen, dass unser modernes Leben ohne mineralische Rohstoffe nicht möglich wäre. Gerade beim Naturstein sehen wir, dass wirtschaftliche Nutzung und ökologische Entwicklung keine Gegensätze sein müssen. In vielen Abbaugebieten entstehen Lebensräume, die in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft selten geworden sind. Offene Felsflächen, Rohböden, temporäre Gewässer oder steile Abbruchkanten bieten spezialisierten Tier- und Pflanzenarten wertvolle Rückzugsräume.
Naturstein gerät durch seine Wiederverwendbarkeit immer mehr in den Fokus der modernen Baukultur. Welche Möglichkeiten sehen Sie konkret, Naturstein – etwa durch Aufbereitung oder neue Bearbeitung der Oberflächen – in den Materialkreislauf zurückzuführen?
Naturstein bringt ideale Voraussetzungen für eine echte Kreislaufwirtschaft mit, weil er seine materialtechnischen Eigenschaften über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte behält. Viele Natursteinprodukte lassen sich rückbauen, neu zuschneiden, umarbeiten oder mit neuen Oberflächen versehen und anschließend erneut einsetzen. Das eröffnet große Chancen: Aus ehemaligen Fassadenplatten können beispielsweise Bodenbeläge oder Gestaltungselemente entstehen. Historische Natursteine lassen sich aufbereiten und in moderne Architektur integrieren. Wichtig ist dabei, bereits bei der Planung auf sortenreinen Rückbau und dokumentierte Materialherkunft zu achten. Wenn wir Naturstein künftig stärker als dauerhaft verfügbaren Rohstoffbestand verstehen und nicht nur als einmalig verbautes Produkt, verändert das unseren Blick auf Baukultur und Ressourcenverbrauch.
Ein weiterer Aspekt ist die Regionalität: Welche Bedeutung hat Naturstein aus der Region für nachhaltiges Bauen – sowohl ökologisch als auch im Hinblick auf die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe?
Regionaler Naturstein ist in vielerlei Hinsicht ein nachhaltiger Baustoff. Kurze Transportwege reduzieren Emissionen und stärken gleichzeitig lokale Wertschöpfungsketten – vom Steinbruch über die Verarbeitung bis hin zum Handwerk vor Ort. Das schafft Arbeitsplätze, erhält Know-how und stärkt regionale Identität.
Darüber hinaus besitzt regionaler Naturstein oft eine kulturelle Dimension. Viele Orte und Landschaften sind historisch durch bestimmte Gesteine geprägt. Wenn diese Materialien auch in zeitgenössischer Architektur eingesetzt werden, entsteht Kontinuität zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Richtig eingesetzt kann Naturstein über Generationen hinweg bestehen. Welche Rolle spielt dieser langfristige Werterhalt im Vergleich zu kurzlebigeren Baustoffen gerade auch mit Blick auf Ressourcenverbrauch und Abfallvermeidung? Und inwiefern trägt er als Identitätsträger dazu bei, aus funktionalen Räumen lebendige Lebensräume mit hoher Aufenthaltsqualität zu machen?
Die Langlebigkeit von Naturstein ist einer seiner größten nachhaltigen Vorteile. Bei fachgerechter Verwendung überdauert Naturstein viele Jahrhunderte – oft mit geringem Wartungsaufwand. Dadurch reduziert sich nicht nur der Ressourcenverbrauch, sondern auch das Abfallaufkommen erheblich. Gleichzeitig besitzt Naturstein eine besondere atmosphärische Qualität. Er altert würdevoll, entwickelt Patina und vermittelt Beständigkeit. Dadurch entstehen Räume mit Charakter und Identität. Architektur wird dadurch nicht nur funktional, sondern auch kulturell und sozial wirksam. Anders ausgedrückt: Durch die Verwendung von Naturstein wird der innerstädtische Funktionsraum zum Wohlfühl-Lebensraum mit großer Aufenthaltsqualität.
Um die Bauwende erfolgreich umzusetzen: Welche Akteure sind aus Ihrer Sicht besonders gefordert – und welche Rolle können öffentliche Auftraggeber durch Pilotprojekte und Förderinstrumente spielen?
Die Bauwende kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten – von Politik und Planung über Bauindustrie und Handwerk bis hin zu Forschung und öffentlicher Verwaltung. Öffentliche Auftraggeber haben hier eine Schlüsselrolle. Sie können durch Pilotprojekte zeigen, wie nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen konkret umgesetzt werden kann. Förderinstrumente können zusätzlich helfen, neue Ansätze wirtschaftlich tragfähig zu machen. Entscheidend ist, dass Nachhaltigkeit nicht nur über kurzfristige Kosten bewertet wird, sondern über die gesamte Lebensdauer eines Bauwerks hinweg. Genau dort liegen die großen Potenziale von Naturstein. Die Verwendung von Naturstein ist ein wichtiger Beitrag zur Identität und Authentizität öffentlicher Räume.
Unsere Natursteinprofis sind für Sie da.
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